Geografie von Portugal Teil II
 |
| (c) José Manuel | Portugal ist seit 1986 Mitglied der EU und sucht den Anschluss an das moderne Europa. Seit Jahren lebt das Land vom Tourismus;
er hat das Land verändert. Vielerorts ist die südliche Langsamkeit dahin, die Leute wollen sich partout nicht mehr wie früher in diese "typisch"
schwarze Kleidung werfen und vom Fado, der traurig-süßen Weltschmerzmelodie, will außer den Gästen kaum jemand noch etwas wissen.
Das nach dem Niedergang der Fischindustrie noch bunte Fischerboote an den Stränden liegen, dürfte manchem örtlichen Tourismusreferenten
zu verdanken sein. Auch die berühmten sieben Unterröcke der Frauen in
Nazaré sind nur noch an den Trachtenpuppen in Souvenirgeschäften
zu bewundern. Und statt bemalter Eselskarren mit bunten Quasten und Kordeln ziehen stinkende Blechkarawanen durch die Landschaft.
Die archaischen Bilder sind dem Andrang von Badehosen und Surfbrettern gewichen, da mögen die abgenutzten Klischees der Medien noch
so standhaft weiter aufgelegt werden.
 |
| (c) Sebastiao da Fonseca | Umwerfende Naturschönheit, romantische Architektur, verspielte Stick-, Häkel- und Fliesenarbeiten, eine Schwermut, die sich hinter dem
Mäntelchen des besonders für Nordeuropäer beeindruckenden südlichen Dolce-far-niente verbirgt, können geballt auch Ablehnung oder gar
Wut hervorrufen. So soll der portugiesische Schriftsteller Lobo Antunes Ende der neunziger Jahre in einem Interview einmal gesagt haben:
"Ich bin ein Mann aus einem schmalen, alten Land, aus einer in Häusern ertrinkenden Stadt. Ich wurde geboren und bin aufgewachsen in einer
stickigen Welt aus Häkelspitzen, die Häkelarbeit der Großtante und die manuelinische
Architektur haben meinen Kopf in Filigranmuster zerlegt,
mich an die Nichtigkeit von Nippes gewöhnt, kurz, sie haben meine Sinne reglementiert".
|